Als ich 2017 aus Seoul zum ersten Mal nach Deutschland kam, fielen mir sofort die vielen Tiere auf, die hier mitten in den Städten leben. So etwas kannte ich aus meiner Heimatstadt nicht. Von Anfang an fühlte ich mich zu diesen Lebewesen hingezogen, die ich im Kontrast zum Lärm der Stadt als stille Nachbarn empfand.
Meine erste Begegnung mit einem Rotkehlchen wurde zu einem Wendepunkt. Das kleine Wesen schien meine Nähe zu suchen und wich kaum von meiner Seite. Irgendwann hatte ich das Gefühl, nicht ich beobachtete es, sondern es beobachtete mich.
Seit 2019 sammel ich mit meiner Kamera flüchtige Momente von Tieren, die in den Nischen unserer Städte leben. Für mich eröffnen sie die fremdartigsten und zugleich lebendigsten Erzählungen des urbanen Raums. Sie bewegen sich frei und unbeeinflusst von den Wegen, Grenzen und Strukturen, die wir geschaffen haben. Verstreute Federn, Spuren auf dem Asphalt sowie Figuren im Flug und im Stillstand erzählen von einem Leben, das parallel zu unserem in der Stadt existiert.



