Ich suche in der Folklore der polnischen Region Kurpie und in der Lebenswelt meiner Großmutter nach einer eigenen Definition von „Heimat“. Ihre Erinnerungen an Traditionen, Rituale, Gesang und Handwerk bilden den Ausgangspunkt einer Arbeit aus Fotografien, gefundenen Objekten und handwerklichen Formen. Im Zentrum der Installation steht meine eigene Interpretation eines „kierec kurpiowski“, eines traditionellen Hängeschmucks, der das Haus schmücken und schützen sollte. Maßstab, Material und raumgreifende Präsentation übertragen seine überlieferte Form in meine Realität. Das Spannungsfeld aus Lücken, Zwischenräumen und fragmentarischen Abbildungen bleibt bewusst bestehen. Sie laden die Betrachtenden dazu ein, meiner persönlichen Spurensuche durch meinen Blick zu folgen und in den Leerstellen mit ihrem eigenen neue Verbindungen zu entdecken. Folklore erscheint dabei nicht als abgeschlossenes Erbe, sondern als etwas, das durch Erinnerung, Aneignung und Veränderung weiterlebt. Was lässt sich weitertragen, wenn Erinnerung lückenhaft bleibt?



