Ausgangspunkt der Arbeit ist ein persönliches Tagebuch, das über mehrere Jahre hinweg geführt und kontinuierlich bearbeitet wurde. Was ursprünglich als privater Ort des Schreibens entstand, entwickelte sich durch wiederholtes Übermalen, Ergänzen und Verändern zu einem Gegenstand künstlerischer Auseinandersetzung. Entscheidend ist dabei nicht, was das Tagebuch erzählt, sondern wie sich seine Geschichte in seiner Materialität eingeschrieben hat. Die Ausstellung markiert den Moment, in dem dieses fortlaufende Arbeiten abgeschlossen und in einen öffentlichen Kontext überführt wird.
Im Mittelpunkt der Arbeit steht das Tagebuch als materielles Objekt. Schrift erscheint darin nicht nur als Träger von Erinnerung, sondern ebenso als Form, Oberfläche und Spur eines langen Arbeitsprozesses. Gemeinsam mit einer Soundarbeit entsteht einen intimen Raum, in dem Sprache, Bild und Klang miteinander in Beziehung treten, ohne auf eindeutige Lesbarkeit angewiesen zu sein.
Die Arbeit eröffnet Fragen nach der Transformation eines alltäglichen, privaten Gegenstands in ein Kunstwerk, nach den Spuren von Zeit und Wiederholung sowie nach den Veränderungen, die durch künstlerische Bearbeitung und Kontextverschiebung entstehen. Im Zentrum steht die Frage, wie Sprache sich durch den Akt des Schreibens und ihre künstlerische Bearbeitung materialisiert und über ihre Bedeutung hinaus erfahrbar wird.



